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Zeit und Geschichte

„Unmoralische Gewinne auf dem Rücken der Ärmsten“ (Teil 1)

Achim Engelberg
schreibt, kuratiert, gibt heraus
Zum Kurator'innen-Profil
Achim EngelbergDienstag, 25.04.2023

Die Behauptung, die NATO-Staaten und ihre Verbündeten seien „die Stimme der internationalen Staatengemeinschaft, die eine regelbasierte Ordnung respektiert“, ist schlicht und einfach unzutreffend. Für Deutschland bedeutet der Krieg in der Ukraine eine „Zeitenwende“ – für den Globalen Süden nicht.

So Giorgio Romano Schutte in einem zornigen Artikel, der aber Haltungen und Positionen etlicher Repräsentanten der nichtwestlichen Welt erklärt.

Der im brasilianischen São Paulo lehrende Professor für Internationale Beziehungen und Wirtschaft listet auf, welche Verbrechen im Namen von Freiheit und Demokratie begangen worden sind. Dabei scheint der Kolonialismus von gestern, der bis heute wirkt, nur kurz auf, aber die Kriege des "weißen Mannes" nach 1991 werden benannt.

Zuweilen ist Schutte dabei monokausal, zuweilen mag er auch vorschnell sein, wenn er von einem Ende des Westens schreibt, aber dennoch benennt er Widersprüche, die hierzulande in den Hauptstrommedien häufig übersehen werden.

So stammt das Titelzitat dieses piqs von keinem Geringeren als von UN-Generalsekretär Antonio Guterres, der nicht einmal von den Übergewinnen des militärisch-industriellen Komplex der USA sprach, die Schutte benennt.

Eine Folge, deren Tragweite noch abzuwägen ist:

Es stärkt im Globalen Süden das Bewusstsein dafür, dass er intensiver kooperieren und seine Prioritäten im Kampf gegen Armut und Hunger oder gegen Klimakrisen (unter denen diese Länder am stärksten zu leiden haben) und auch gegen Pandemien deutlich artikulieren muss.

Europa muss begreifen, dass in den Augen der meisten Entwicklungsländer China in diesem Gesamtkontext ein maßgeblicher Partner ist – und Russland nicht das größte Problem.

Das erklärt auch, warum immer mehr Länder ihr Interesse an einem Beitrag zum BRICS-Verbund und zu seiner Neuen Entwicklungsbank bekunden. Die eurozentrische Welt geht ihrem Ende entgegen, die Vormachtstellung der USA wird infrage gestellt. Diese Entwicklung wird sich auch durch mehr Waffenlieferungen an die Ukraine nicht aufhalten lassen.

Ein Grund, warum Russland nicht so isoliert ist, wie man es hierzulande gern hätte, besteht darin, dass es die russische Außenpolitik versteht,

den Unmut des Globalen Südens für ihre Zwecke zu instrumentalisieren.

Wie das geschieht, darüber soll es im zweiten Teil gehen.

„Unmoralische Gewinne auf dem Rücken der Ärmsten“ (Teil 1)

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Kommentare 5
  1. Thomas Wahl
    Thomas Wahl · vor einem Jahr · bearbeitet vor einem Jahr

    Ich habe nicht den Eindruck, dass "der globale Süden" die Sicht hat, er müsse "intensiver kooperieren und seine Prioritäten im Kampf gegen Armut und Hunger oder gegen Klimakrisen" deutlicher artikulieren. Eher geht es doch darum, dass diese Autokraten und Machthaber ihre Macht stabilisieren wollen. Manduro, Castro oder Lula sind/waren immer die Stimmen ihrer selbst. Es geht ihnen m.E. meist nicht um eine regelbasierte Ordnung sondern um ihre Interessen und ihren Machterhalt. Wahrscheinlich ist ihnen eine moralisierende/feministische Außenpolitik völlig unverständlich. Und wenn diese aus dem Westen kommt, da schimmert in der Tat immer die Scheinheiligkeit durch. Man muß es aus Sicht der anderen fast zwangsläufig als Trick einer verdeckten Interessenpolitik interpretieren. Ob es nun so pauschal stimmt oder nicht. Die Entwicklungsgelder wurden trotzdem gern genommen.

    Das "Europäische Spitzenpolitiker und Meinungsmacher beweisen, dass sie nicht den Hauch einer Vorstellung haben von den Sichtweisen und Erwartungen der nicht-westlichen Welt" ist m.E. auch nicht besonders neu.

    1. Achim Engelberg
      Achim Engelberg · vor einem Jahr

      Die Kooperationen der BRICS-Staaten werden enger. Das sehen auch andere Beobachter; hier ein Beispiel https://www.dw.com/de/...

      Natürlich sind das nicht alles lupenreine Demokraten.

      Allerdings sehe ich gewaltige Unterschiede zwischen Lula und Manduro. Und der von Dir erwähnte Castro ist ja schon eine Weile nicht mehr an der Macht.
      Dazu kommt, dass nur Lula, der ein Fortschritt zu Bolsonaro ist, ein gewichtiger Politiker in diesem Rahmen ist.
      Manduros Venezuela gehört nicht dazu. Und wie sich Kuba unter Diaz-Canel entwickelt, muss noch offen bleiben. Es scheint mir ausgeschlossen, dass Kuba entschiedene weltpolitische Schritte gehen kann.

      Das sieht die EU bei den BRICS-Staaten anders und sie erhielt in den letzten Wochen etliche Absagen.

      Russland will, das werde ich im zweiten Teil zeigen, hier außenpolitisch ansetzen. Und das sollte man, auch unter Berücksichtigung historischer Verbindungen, ernst nehmen.

    2. Thomas Wahl
      Thomas Wahl · vor einem Jahr

      @Achim Engelberg Mir ging es mehr um den Typ Politiker und Politik. Ob das was in den BRICS-Saaten stattfindet engere wirkliche Kooperation ist oder partielles Zusammenarbeiten, wenn sich Interessen treffen, das wird man sehen. Weder Rußland und China noch China und Indien sind geborene Freunde, eher traditionelle Feinde. Mit dem Aufkommen der Politikstile aus dem 18/19.Jh. wäre da für mich auch harte Konfrontation nicht überraschend.

      In einem engeren finanzpolitischen Sinne gibt es sicher wachsende Kooperationen. Auch ob Lula wirklich ein Fortschritt gegenüber Bolsonaro ist, das wird sich noch zeigen. Er könnte eben auch in Richtung venezolanischer oder kubanischer Mißwirtschaft abrutschen. Da nutzt dann die (geopolitische) Größe des Landes nichts.

      Ein Freund von mir war jetzt einige Wochen in Kuba. Die Lage war wohl noch nie so mies wie jetzt. Er meint, das erste mal wirklich Hunger gesehen zu haben.

  2. Hermann J. F. König
    Hermann J. F. König · vor einem Jahr

    Danke für die Sichtweise! Es zeigt mal wieder deutlich: man sieht nur, was man sehen will.

    1. Achim Engelberg
      Achim Engelberg · vor einem Jahr

      Gern geschehen, es freut mich.

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