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Klima und Wandel

Erdüberlastung: Ab heute Licht aus!

Nick Reimer
diplomierter Energie- und Umweltverfahrenstechniker, Wirtschaftsjournalist und Bücherschreiber
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Nick ReimerDonnerstag, 03.08.2023

In der Welt der Ökonomie bräche heute die Katastrophe aus: Der 2. August 2023 war der "Weltüberlastungstag", also jener Tag, an dem alle Rohstoffe aufgebraucht wurden, die ein sich selbst erneuernder Planet in einem Jahr zur Verfügung stellen kann. Frischluft, Trinkwasser, Äpfel, Baumwolle, Fisch oder Bauholz: Nach Berechnungen des Global Footprint Network braucht die Menschheit derzeit statistisch 1,75 Erden, um jene Ressourcen zu beschaffen, die die Natur des Planeten in zwölf Monaten zu produzieren vermag. 

In der Welt der Ökonomie müssten wir heute also zur Bank gehen, um uns was zu leihen. Weil wir Menschen aber schon seit Jahren auf viel zu großem Fuß leben, würde jede Bank ein Kreditersuchen ablehnen: In der Ökonomie würde heute jedes Werk geschlossen, weil es nichts mehr zum Produzieren gibt, jeder Laden geschlossen, weil es nichts mehr zum Verkaufen gibt, jedes Smartphone aus bleiben, weil es keinen Strom mehr gibt.

Aber wir sind ja nicht in der Ökonomie, sondern in der Ökologie. Dort ist längst sichtbar, wie das Leben auf Pump wirkt: Land- und Bodendegradation sind weit verbreitet, die Fischbestände können sich nicht regenerieren, weltweite Entwaldung, der Verlust biologischer Vielfalt, die Gletscherschmelze, ungewöhnliche Hitzewellen, Waldbrände, Dürren und Überschwemmungen, die den menschlichen Wettbewerb um Nahrung und Energie verschärfen. "Das größte Risiko, abgesehen von der ökologischen Überschreitung selbst, liegt in der Selbstzufriedenheit gegenüber dieser Krise", erklärt Steven Tebbe vom Global Footprint Network.

Seit 1961 wird der Weltüberlastungstag – englisch „Earth Overshoot Day“ – berechnet, 1987 lebte die Menschheit erstmals auf zu großem Fuß: Overshoot Day war der 19. Dezember. 1995 hatten die Menschen am 21. November jene Ressourcen verbraucht, die eigentlich bis zum Jahresende reichen müssen, 2011 war es der 21. August. Theoretisch dürften wir Menschen dann der Natur keine Rohstoffe mehr entnehmen, nicht einmal mehr Trinkwasser. Weil wir es aber natürlich trotzdem weiterhin tun, zapfen wir das grüne Kapital der Erde an.

Dabei verteilt sich der Ressourcenverbrauch auf der Welt sehr unterschiedlich: Würden alle so leben wie die Amerikaner, wären 5,1 Erden notwendig, um die Nachfrage nach Rohstoffen zu decken. Australier „leben“ auf 4,5 Erden, Japaner auf 2,9. Auf diesem Niveau wirtschaften auch wir Deutschen: Würden alle so haushalten wie wir, wären drei Erden nötig. Hauptgründe sind der im globalen Durchschnitt deutlich höhere Energieverbrauch sowie die immer noch übermäßige Belastung von Luft, Böden und Grundwasser – unter anderem durch Verkehr und Massentierhaltung. In Indien dagegen leben die Menschen auf 0,8 Erden, was bedeutet, dass dort Rohstoffe "übrig" sind, die dann anderswo verbraucht werden, etwa bei uns.

Um das Problem aus der ökologischen Ecke herauszubekommen und in die Welt der Ökonomie zu transferieren, haben Wissenschaftler das Konzept des Brutto-Ökosystem-Produkts entwickelt: Dabei wird ganz ähnlich zum BIP, zum Bruttoinlandsprodukt, ermittelt, welche Ökosystemleistungen Natur erbringt, beispielsweise von Wäldern, intaktem Grünland oder Grundwasserspeichern. China ist weltweit das erste Land, in dem diese Leistungen nicht nur durch einen Indikator erfasst werden, sondern auch monetarisiert werden können. Freilich hat das noch keine großen Auswirkungen: Es ist bislang nicht bekannt, dass ein chinesischer Parteifunktionär, der sich am Brutto-Ökosystem-Produkt seines Gebietes bereichert hat, ins Gefängnis gesteckt wurde. Anders als wenn er sich dagegen am BIP bereichert hat.

Erdüberlastung: Ab heute Licht aus!

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