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Medien und Gesellschaft

CNN feuert Brian Stelter und will wieder mehr Bothsidesism

Christoph Zensen
Informationswissenschaft, Medieninformatik, Produktmanagement

#ViewFromSomewhere #MovementJournalism

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Christoph ZensenSamstag, 20.08.2022

CNN hat die medienjournalistische Show "Reliable Sources" mit Brian Stelter abgesetzt. Eine letzte Sendung wird es am Sonntag noch geben und dann ist Schluss. Rechtstwitter, Tucker Carlson, Sean Hannity und Co. feiern die Absetzung als ihren Erfolg. Und sie könnten damit recht haben.

Am Donnerstagabend verbreitete sich die Nachricht. Stelter selbst wurde laut New York Times am Mittwoch durch den CEO, Chris Licht, informiert. Die Medienreporterin Claire Atkinson vom Business Insider hat zudem herausgefunden, dass die gesamte Redaktion der Show entlassen wurde. Die Produzentin der Show, Jamie Maglietta, bestätigt dies auf Twitter, in dem sie Atkinson mit den ergänzenden Worten "Yes, and the future is uncertain... so ideas are welcome..." zitierte.

Die Absetzung findet in einem Kontext statt, der in mir eine düstere Vorahnung auf die kommenden Entwicklungen bei CNN aufsteigen lässt.

Chris Licht hatte die Geschäftsführung CNN im Mai übernommen. Im Juni wurde bekannt, dass er gegenüber den Sendungsproduzenten den Wunsch geäußert hatte, den Term "The Big Lie" nicht mehr zu verwenden, der sich in den USA als Sammelbegriff für die Verschwörungserzählungen rund um die Wahl von Joe Biden durchgesetzt hat.

Brian Stelter hat sich in den vergangenen Monaten immer wieder eingehend mit der Problematik auseinandergesetzt, wie politische Journalisten mit Abgeordneten und politischen Meinungsführern umgehen können, die "the big Lie" verbreiten.

Die New York Times berichtet noch weitere beunruhigende Hintergründe über das höhere Management:

But leaders of CNN’s new corporate parent, Warner Bros. Discovery, have suggested that they want the network’s programming to have more straight news reporting and fewer opinionated takes from hosts. David Zaslav, the company’s chief executive, has said that he wants a network for both Republicans and Democrats. John Malone, an influential Warner Bros. Discovery shareholder, said that he wanted the network to “evolve back to the kind of journalism that it started with” in an interview with CNBC last year.

Das klingt sehr stark nach den alten journalistischen Rezepten, die in der Zeit vor der republikanischen Selbst-Radikalisierung noch halbwegs funktioniert haben. In 2022 ist das gefährlich und fahrlässig.

Dan Froomkin bringt es auf dem Punkt: "A reality-based news network will never be able to satisfy Americans whose view of themselves depends on falsely demonizing others."

Froomkins Text ist der Piq.


Ergänzung:

Inzwischen ist die letzte Sendung gelaufen. Hier kann man sich Brian Stelters Abschluss-Statement ansehen:

https://edition.cnn.com/videos/media/2022/08/21/brian-stelter-goodbye-final-reliable-sources-episode-rs-vpx.cnn

Und die ganze Sendung gibt es – immerhin zum Hören – im Podcast-Feed:

https://edition.cnn.com/audio/podcasts/reliable-sources/episodes/38ec08d6-de28-4b44-bd8a-aef8012bb2cb

CNN feuert Brian Stelter und will wieder mehr Bothsidesism

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Kommentare 11
  1. Christoph Zensen
    Christoph Zensen · vor fast 2 Jahre

    Inzwischen ist die letzte Sendung gelaufen. Hier kann man sich Brian Stelters Abschluss-Statement ansehen:
    https://edition.cnn.co...

    Und die ganze Sendung gibt es – immerhin zum Hören – im Podcast-Feed:
    https://edition.cnn.co...

  2. Cornelia Gliem
    Cornelia Gliem · vor fast 2 Jahre

    etwas was ja im deutschsprachigen Journalismus auch öfters gefordert wird: "beide Meinungen abbilden" etc. Wobei da immer zweierlei vergessen wird - 1. lügen und hetze sind keine Meinung der man gleichermaßen Raum geben sollte und 2. Hauptaufgabe des Journalismus ist nicht Meinungen nett nach und von allen Seiten zu verteilen sondern Fakten und Tatsachen präsentieren, das was man postmodern verunsichert nicht mehr 'die Wahrheit' nennen will.

    1. Christoph Zensen
      Christoph Zensen · vor fast 2 Jahre

      Hallo Cornelia,

      danke für die Ergänzung. Ich denke, im Fall (im doppelten Sinne) von CNN werden wir nun sehen, wie pathologisch diese fixen Ideen aus der Journalismusschule wirklich sind.

      Wenn jetzt demnächst MAGA-Ansichten auf CNN wieder im großen Stil gemainstreamt werden, dann wird die Realität auch dort zur Verhandlungssache. Und Foxnews geht einfach noch einen Schritt weiter nach rechts.

    2. Thomas Wahl
      Thomas Wahl · vor fast 2 Jahre · bearbeitet vor fast 2 Jahre

      Allerdings sprechen Fakten etc. nie für sich alleine. Sie müssen interpretiert werden. Und meist gibt es mehr Fakten und Wechselwirkungen zwischen ihnen als in eine Interpretation/Meinung passen. Also gibt es selten nur eine richtige Meinung. Auch der Glaube, dass man mit Fakten nicht Lügen kann ist leider falsch …..

    3. Christoph Zensen
      Christoph Zensen · vor fast 2 Jahre

      @Thomas Wahl Alles richtig, es geht auch nicht darum, den Pluralismus abzuschaffen oder nur noch eine Meinung zuzulassen.

      Es geht ja um ganz konkrete Positionen, die man auf CNN ernsthaft diskutieren müsste, wenn man den Sender wirklich "in the middle of the road" bringen wollte.

      * Trump wurde die Präsidentschaft mittels Wahlbetrug gestohlen. Er ist der rechtmäßige Präsident.

      * Hillary Clinton begeht satanische Ritualmorde

      * Das Massaker an der Sandy-Hook-Grundschule war ein Schwindel.

      Ist alles Quatsch, aber wird ernstlich von republikanischen Abgeordneten vertreten. Dafür reichen die bisherigen journalistischen Rezepte nun mal nicht aus.

    4. Thomas Wahl
      Thomas Wahl · vor fast 2 Jahre · bearbeitet vor fast 2 Jahre

      @Christoph Zensen Ich kann die Darstellungen und Wirkungen der amerikanischen Medien nicht wirklich beurteilen. Aber, muß man solchen Quatsch in einem seriösen Medienunternehmen wirklich ernsthaft diskutieren, um auf "the middle of the road" zu kommen? Das wäre wirklich schlimm. Wer so was ernsthaft glaubt hört eh nicht hin. Welche journalistischen Rezepte sollen da helfen? Man kann/muß das doch eigentlich nur lächerlich machen.

      Geht es nicht eher um die große Zahl der Bürger in der Mitte, die sicher sowas nicht glauben, aber durch die Radikalisierung der "Linken" (Canceln, Wokeness etc,) auch abgestoßen werden?

    5. Christoph Zensen
      Christoph Zensen · vor fast 2 Jahre · bearbeitet vor fast 2 Jahre

      @Thomas Wahl Laut Umfragen, glaubt eine Zwei-Drittel-Mehrheit der republikanischen Wähler, dass ihnen die Wahl gestohlen wurde und Trump der rechtmäßige Präsident ist:
      https://www.politifact...

      Und bei den Vorwahlen gewinnen ständig die republikanischen Kandidaten, die "The Big Lie" unterstützen.

      Die Redaktionen in den USA stehen vor der Wahl: Wollen sie die Wahrheit anstreben oder die Mitte. Beides geht nicht (mehr).

    6. Thomas Wahl
      Thomas Wahl · vor fast 2 Jahre

      @Christoph Zensen So simpel ist es doch nicht. Wieviel Prozent der Amerikaner sind denn republikanische Wähler? Ich lese was von ca. 33,2 Millionen registrierten Anhängern bei 168 Mio. registrierten Wählern. Und einer Wahlbeteiligung von 66%.

      https://de.statista.co...

      https://de.statista.co...

      Das ist doch eine Minderheit. Und Wahlen gewinnt man nicht mit geglaubten oder gemeinten Wahrheiten sondern mit Mehrheiten. Ich glaube auch nicht, das man mit der Entlarvung republikanischer Lügen schon die komplexe Wahrheit gepachtet hat. Da gehört viel mehr dazu. Auch das man seinen eigenen Bias erkennt. Und "die Mitte" merkt so was.

    7. Christoph Zensen
      Christoph Zensen · vor fast 2 Jahre · bearbeitet vor fast 2 Jahre

      @Thomas Wahl In den Vorwahlen in Arizona im August haben sich stets die republikanischen Kandidaten durchgesetzt, die "The Big Lie" unterstützten. Die republikanischen Kandidaten, die Bidens Sieg anerkannten, haben verloren.

      Wahlen werden auf diesen Mehrheiten gewonnen.

      Zu deinem Satz:
      "Ich glaube auch nicht, das man mit der Entlarvung republikanischer Lügen schon die komplexe Wahrheit gepachtet hat."

      Würde ich sagen:
      Es ist keine hinreichende, aber eine notwendige Bedingung für seriöse Berichterstattung. Diese Lüge kann kein seriöses Nachrichtenmedium akzeptieren. Das Problem dabei: Durch das Zurückdrängen dieser Lüge wirken sie parteiisch und nicht mehr neutral und in der Mitte.

    8. Thomas Wahl
      Thomas Wahl · vor fast 2 Jahre

      @Christoph Zensen Ja, das bezweifele ich auch nicht. Denke aber, dass diese radikalen Republikaner durch seriösere Medien eh nicht erreichbar sind. Viele (Nicht)Wähler in der Mitte aber schon. Und da reicht das Zurückweisen nicht. Zudem das schon geschieht. Zumindest, was ich so lese ….

    9. Christoph Zensen
      Christoph Zensen · vor fast 2 Jahre · bearbeitet vor fast 2 Jahre

      @Thomas Wahl Da sind wir uns einig.

      Es scheint nur so, dass der Vorstand und das Management von CNN es anders sieht.

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