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Klima und Wandel

Das Stromnetz wird in Speicherkapazität schwimmen

Dominik LennéDonnerstag, 27.06.2024

Ich hatte hier kürzlich einen optimistisches Video über Akkus - genauer Natrium-Ionen-Akkus - gebracht und will nun noch einmal in dieselbe Kerbe hauen. Der Autor Auke Hoekstra ist Experte für das niederländische Stromsystem (und auf X bekannt für seine Debunking-Artikel zu E-Autos). In diesem Text entwirft er die Vision eines Stromsystems, das durch Allgegenwart billiger Akkus eine gleichmäßige und sichere Stromversorgung zur Verfügung stellt. 

Zunächst verlängert er die Kostenverminderung und Produktionssteigerung je KWh, die er der jüngsten IEA-Studie zu Batterien entnommen hat, in die Zukunft und kommt zu dem Schluss, dass wir 2030 Speicherkapazität für grob geschätzt 10 €/kWh kaufen können - nicht zuletzt, weil die Materialkosten von natriumbasierten Akkus so niedrig sind. 

Das kann eine ganze Menge Probleme lösen. Wenn es wie abgeschätzt eintritt, bedeutet das Folgendes:

  • Wir beobachten im Sommerhalbjahr zunehmend tagsüber ein starkes Überangebot an Strom, verbunden mit extrem niedrigen, teilweise sogar negativen Strompreisen. Das ist ungünstig, weil es die Einnahmekalkulation der Solarkraftwerke ruiniert: wenn sie am meisten produzieren, ist der Preis am geringsten. Mit Akkus kann diese Überproduktion in die Abend- oder auch Morgenstunden geschaufelt werden. Die Batterien verdienen ihr Geld dabei mit Arbitrage, d.h. sie kaufen bei niedrigem, verkaufen bei hohem Strompreis. Je billiger die Batterien selbst sind, desto kleinere Preisdifferenzen können sie ausgleichen. Viele Batterien sorgen also dafür, dass Solar- und Windstrom ökonomisch funktioniert. In Kalifornien ist diese Vision schon weitgehend Realität - in den dortigen Verhältnissen sind große Speicherwerke auch bei jetzigen Batteriepreisen schon rentabel. (Auch in diesem Post hier auf forum.eu abgehandelt.)
  • Bekanntermaßen ist die Stromtransportkapazität zwischen dem Norden und derm Süden Deutschlands zu klein, so dass eine Menge Windstromerzeugung abgeregelt werden muss. Deshalb gibt es die großen Stromtrassenprojekte, die lange verzögert wurden und nun langsam umgesetzt werden. Des Weiteren ist das Netz auch sonst an vielen Stellen nicht an die Einspeisung aus den großen Solarkraftwerken angepasst - teurer Ausbau tut Not. Mit mehr Batteriekapazität kann man sich einen Teil davon sparen: auf der Erzeugerseite können Erzeugungsspitzen, auf der Verbraucherseite Lastspitzen per Akku aufgefangen werden. Die Energieübertragung wird geglättet und die Transportkapazität des Netzes so deutlich besser ausgenutzt. 
  • Dann noch die Stromversorgung bei Dunkelflaute. Sollten Speicher so extrem billig werden, können sie in solchem Umfang aufgestellt werden, dass sie die komplette Stromversorgung für längere Zeit übernehmen können. Diese Aufgabe soll nach der momentanen Planung Gaskraftwerken übertragen werden, die mit elektrolytisch erzeugtem und in Kavernen gespeichertem Wasserstoff arbeiten sollen. Eine Lösung, die hohe Energie-Umwandlungsverluste mit sich bringt, welche bei Verwendung von Akkus nicht auftreten. Diese Möglichkeit ist, wie geschrieben, noch so gut wie nicht in die drei offiziellen Zukunftsstrategien¹  eingegangen, die sich nach Einschätzung des Speicherprojektfirma Kyon Energy sogar gegenseitig widersprechen

Wir gehen also aller Wahrscheinlichkeit nach einer veritablen Disruption entgegen, die noch kaum jemand auf dem Schirm hat. Gaskraftwerke werden über kurz oder lang ebenfalls abgeschaltet werden. Die an die Mikroelektronik erinnernde Verbilligung der Stromspeicher, die noch vor nicht allzu langer Zeit unvorstellbar war, wird ein dezentrales, deshalb sehr resilientes Stromsystem erzeugen. 

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¹ Die Systementwicklungsstrategie, die Stromspeicher- und die Kraftwerksstrategie.

Das Stromnetz wird in Speicherkapazität schwimmen

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Kommentare 3
  1. Su Fenner
    Su Fenner · vor 9 Tagen · bearbeitet vor 9 Tagen

    Danke für's Teilen! Es ist so wichtig auf diese Disruption, die unerklärlicherweise im Hintergrund statt findet, immer wieder hinzuweisen! Danke!

  2. Cornelia Gliem
    Cornelia Gliem · vor 9 Tagen

    DAS ist die zukunftstechnologie, die von gewissen Kreisen doch so gern propagiert wird.

  3. Thomas Wahl
    Thomas Wahl · vor 10 Tagen

    Das klingt in der Tat interessant …..

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