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Fundstücke

Je digitaler die Arbeit, desto zufriedener die Menschen?

Anja C. Wagner
Bildungsquerulantin
Zum Kurator'innen-Profil
Anja C. WagnerMontag, 17.10.2022

Laut einer Studie von Gallup (in Kooperation mit Amazon Web Services) mit mehr als 30.000 Arbeitnehmer*innen und 3.000 Personalverantwortlichen aus 19 Ländern liegen die Ergebnisse klar auf der Hand:

  • Je mehr digitale Skills die Arbeitnehmer*innen haben, desto 
    • mehr verdienen sie,
      • Zudem: 40–65 % höhere Löhne als Angestellte, die eine Arbeit ohne Computer ausüben. 
    • sind zufriedener mit ihrer Arbeitssituation,
      • 43–72 % je nach persönlichem digitalen Skillset
    • und berichten von größerer Arbeitsplatzsicherheit. 
Dabei spielen selbst gesteuertes Lernen, informelle Bildung und vom Arbeitgeber angebotene Schulungen eine wichtigere Rolle zum Erlernen digitaler Skills als formale Ausbildungen. 

  • 98 % der Arbeitnehmer*innen, die in den letzten 12 Monaten an Digital-Skills-Weiterbildungen teilgenommen haben, berichten von mindestens einem positiven Karrierevorteil. 
  • Nur 27 % der Angestellten mit digitalem Skillset sagten allerdings, sie hätten diese in der formalen Ausbildung gelernt.
  • Vielmehr lernten sie diese Skills durch selbst gesteuertes Lernen (56 %), Onlinevideos (41 %), informelles Lernen am Arbeitsplatz (37 %) und vom Arbeitgeber angebotene Schulungen (31 %).

Dabei kann man nicht alle Digital Worker über einen Kamm scheren. Die Studie unterscheidet drei Gruppen:

  • Digitale Grundkenntnisse (z. B. E-Mail, Textverarbeitung, Beiträge in sozialen Medien)
  • Mittlere digitale Fertigkeiten (z. B. Gestaltung von Websites per Drag-and-Drop, Fehlerbehebung bei Anwendungen, Datenanalyse)
  • Fortgeschrittene digitale Fähigkeiten (z. B. Cloud-Architektur oder -Wartung, Software- oder Anwendungsentwicklung, künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen)

Je "höher" das digitale Skillset einer Person ausgeprägt ist, desto höher fallen durchschnittlich die Löhne und die Jobzufriedenheit aus – ist klar. Gleichzeitig war auffallend, dass die fortgeschrittenen digitalen Fähigkeiten stark von den Schulungen der Arbeitgeber profitierten. Also braucht es hier ordentlich Investment.

Die Vorteile digitaler Kompetenzen für Arbeitnehmer*innen zeigen sich also in einer Zeit, in der Personalchefs händeringend nach Arbeitskräften suchen, die über diese Skillsets verfügen. Insofern scheint die Marschrichtung klar ...

Wie frühere Gallup-Untersuchungen gezeigt haben, sind die Bewertung der Qualität des Arbeitsplatzes und das Engagement am Arbeitsplatz eng miteinander verknüpft, was darauf hindeutet, dass digital qualifizierte Arbeitnehmer*innen seltener als andere Angestellte an einer tatsächlichen oder stillen Kündigung beteiligt sind. Inmitten der Besorgnis über eine mögliche Rezession sind digital qualifizierte Arbeitnehmer*innen zuversichtlicher als andere, dass ihr Arbeitsplatz sicher ist. Angesichts des intensiven Wettbewerbs um digitale Qualifikationen auf der ganzen Welt können Arbeitgeber von Investitionen in die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter profitieren und so eine Win-Win-Dynamik schaffen, die das Unternehmen stärkt und gleichzeitig die Arbeitskräfte fördert.

Um die im Titel gestellte Frage zu beantworten: Diesen Schluss würde ich nicht ziehen. Es sind Durchschnittswerte und sicherlich kommt es u. a. darauf an, ob es sich um Wissensarbeiter*innen handelt, wie das Team zusammengestellt ist, welche Flexibilität und Weiterbildungsmöglichkeiten bestehen usw. usf. 

Aber eines scheint klar: Es schadet Einzelnen nicht, sich zunehmend komplexere, digitale Skillsets draufzuschaffen. 

Und an Unternehmen gerichtet kann festgehalten werden: In die Weiterbildung der Angestellten zu investieren, fördert die Zufriedenheit und die Wettbewerbsfähigkeit. Insofern eine Win-Win-Situation im bestehenden System ;-)

Die vollständige Studie findet man als PDF übrigens hier.

Je digitaler die Arbeit, desto zufriedener die Menschen?

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