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Osteuropäer*innen: Der blinde Fleck im antirassistischen Diskurs

Simone Brunner
Freie Journalistin

Freie Journalistin aus Wien mit Fokus auf Ukraine, Belarus und Russland. Schreibt für das Journalistennetzwerk n-ost (Link: http://ostpol.de/autoren/view/812).

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Simone BrunnerFreitag, 02.04.2021

Sprechen wir über Rassismus, hat wohl jede*r von uns bestimmte Bilder und Vorstellungen im Kopf. Antirassistische Debatten finden – glücklicherweise – immer wieder statt. Doch was im Diskurs bisher untergeht, ist der Rassismus gegen Osteuropäer*innen, wie Erica Zingher – hier bei piqd u. a. schon mit ihrem bahnbrechenden Text über jüdische Kontingentflüchtlinge in Deutschland bekannt – in diesem wichtigen Text für die taz aufgeschrieben hat.

Warum ist das so? Darüber hat Zingher unter anderem mit dem Migrationsforscher Jannis Panagiotidis gesprochen. Rassismus ginge nun mal stark von binären, schwarz-weiß Kategorien aus, sagt Panagiotidis. Dabei passte gerade der europäische Rassismus noch nie wirklich in diese Kategorien:

Die sogenannte „Rassentheorie“, wie es sie im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gab, hat die Menschheit nicht nur in Weiße und Schwarze unterteilt, sagt Panagiotidis. Sondern in „zivilisierte“ West­eu­ro­päe­r:in­nen und „barbarische, rückständige“ Menschen im Osten. Seinen Höhepunkt fand diese Kategorisierung später unter den Nationalsozialisten, die von „slawischen Untermenschen“ sprachen. Auch das antisemitische Bild der „Ostjuden“ hängt historisch damit zusammen.

Menschen aus Osteuropa erleben Rassismus, nicht weil sie weiß sind, sondern trotzdem.

Antislawischer und antiosteuropäischer Rassismus haben in Deutschland eine lange Tradition. Zingher geht zurück bis ins 19. Jahrhundert und schlägt den Boden zum Zweiten Weltkrieg, Stichwort: "Generalplan Ost."

In der jüngeren österreichischen Geschichte ist dieser antislawische Rassismus besonders augenfällig, punktete doch die FPÖ viele Jahre lang mit Parolen gegen slawische Minderheiten, wie etwa in Kärnten, wo die FPÖ die Stimmung mit dem sogenannten "Ortstafelstreit" anheizte, indem sich etwa Jörg Haider weigerte, zweisprachige Ortstafeln auf Deutsch und Slowenisch aufzustellen.

Wie stark dieser Rassismus also immer noch die (ausstehende) Aufarbeitung, wie etwa die Verbrechen hochrangiger österreichischer Nazis in Osteuropa, und allgemein den Blick auf den "Osten" prägt, ist wohl kaum zu überschätzen.

Hier kann man sich den Text auch vorlesen lassen.

Osteuropäer*innen: Der blinde Fleck im antirassistischen Diskurs

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