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Zeit und Geschichte

Ein Feind der Rechtsradikalen: Zum Mord an Matthias Erzberger

Dirk Liesemer
Autor und Journalist
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Dirk LiesemerDonnerstag, 26.08.2021

26. August 1921, heute vor 100 Jahren: Zwei Mitglieder der rechtsradikalen Organisation Consul lauern in Bad Griesbach im Schwarzwald dem Zentrumspolitiker und Finanzexperten Matthias Erzberger auf, der mit einem Parteifreund einen Spaziergang unternimmt. Als der 45-jährige Politiker gegen elf Uhr die Kniebisstraße entlangläuft, zücken die beiden Rechtsradikalen wortlos ihre Waffen und schießen sechs Mal. Erzberger stürzt, bleibt schwer verletzt liegen, ehe er durch zwei weitere Kopfschüsse stirbt. Sein Parteifreund Carl Diez überlebt den Anschlag knapp.

Matthias Erzberger ist heute weithin unbekannt. Dabei steht er exemplarisch für jene Konservativen, die noch vor dem Ende des Ersten Weltkrieges eine Wende zur Demokratie vollzogen.

Er war der damals verpönten und auch heute nicht unbedingt verbreiteten Ansicht, ein Politiker sollte Realpolitik betreiben, sich also an Fakten und Machtverhältnissen orientieren. Oder in seinen Worten, an die im unten verlinkten Feature erinnert wird:

"Das ist der Inhalt der Politik: Die Tatsachen zu erkennen, wie sie sind. Man muss erkennen, was ist; und dabei darf man sich nie leiten lassen von dem Herzen und von dem Gemüt, sondern nur von dem harten Verstande."

Realpolitik bedeutete für ihn eine Abkehr von kolonialistischen Wünschen und vom Drang zu politischer Weltgeltung. Sie führte den tiefgläubigen Katholiken am 11. November 1918 dazu, den Waffenstillstand von Compiègne zu unterschreiben. Fortan galt er Rechtsradikalen als Verräter und Novemberverbrecher. Er war den Reaktionären verhasst wie kein Zweiter.

Dass es bei der Unterzeichnung des Waffenstillstands keinerlei Raum für Verhandlungen gegeben hatte und dass an jenem 11. November auch zwei Militärs und ein Diplomat unterschrieben hatten, wurde öffentlich kaum beachtet und wird auch heute zu selten erwähnt: Es waren General Detlof von Winterfeldt für das Reichsheer und Ernst Vanselow für die Kaiserliche Marine sowie Graf Alfred von Oberndorff fürs Auswärtige Amt. Dargestellt wird die Szene etwa in dieser Zeichnung.

Aber nicht nur das: Zu alledem hatte die militärische Führung des Reiches längst beschlossen gehabt, nichts mit dem verlorenen Krieg und schon gar nichts mit Reparationen zu tun haben zu wollen. Die Suppe, so formulierte es General Erich Ludendorff, sollten gefälligst andere auslöffeln.

Nach der Ermordung Erzbergers schrieb Kurt Tucholsky anerkennend in der Weltbühne:

"Gehasst, weil Du Zivilcourage den Herren vom Monokel zeigst, weil Du schon siebzehn die Blamage der Ludendörffer nicht verschweigst. Das kann der Deutsche nicht vertragen, dass einer ihm die Wahrheit sagt! Dass einer ohne Leutnantskragen den Landsknechtsgeist von dannen jagt!"

Verweisen will ich hier auch noch auf eine kostenpflichtige Langstrecke "Fort mit Erzberger", verfasst von den beiden Rechtswissenschaftlern Ekkehart Reimer und Christian Waldhoff – nachzulesen für einige Tage hier bei Blendle und danach nur noch auf der Seite der F.A.Z. Dort heißt es über Erzberger:

Erzberger wurde als professioneller Parlamentarier des späten Kaiserreichs und als Protagonist der Weimarer Republik zum Urbild eines modernen, fleißigen und unideologischen Christdemokraten aus dem Volk.

Ein Feind der Rechtsradikalen: Zum Mord an Matthias Erzberger

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