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Volk und Wirtschaft

Die Tafeln und ihre »Objekte der Fürsorge«

Christian Huberts
mächtiger™ Kulturwissenschaftler und Kulturjournalist
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Christian HubertsFreitag, 23.02.2018

Zwei Meldungen über die Tafeln dominieren die Nachrichten: Einmal das 25. Jubiläum der Hilfsorganisation und dann die Entscheidung einer Essener Filiale, nur noch Neukund*innen mit deutschem Pass eine Grundversorgung mit aussortierten Lebensmitteln anzubieten. Beides verdeutlicht die großen Widersprüche, die die Tafeln seit ihrer Gründung im Jahr 1993 begleiten. Aus einer Notlösung ist eine wachsende Organisation mit über 900 bundesweiten Ablegern geworden. Und ein ehrenamtliches Angebot, das früher allen (nachweislich) Bedürftigen zur Verfügung stand, ist heute eine »Almosenökonomie«, die auch Nationalitäten gegeneinander ausspielt.

Die kritische Diskussion über die Tafeln scheint derweil in einem Catch-22 gefangen: Es muss ohne sie gehen, aber es geht nicht mehr ohne sie. Man muss etwas gegen die Tafeln haben, kann aber gleichzeitig schlecht etwas gegen sie haben. Schließlich wären mehr als eine Million Menschen ohne sie schlicht aufgeschmissen. Die Journalistin Kathrin Hartmann nimmt dennoch kein Blatt vor den Mund und macht im Freitag sehr lesenswert auf die vielen inneren und äußeren Konflikte der Hilfsorganisation aufmerksam. So ist etwa die Überproduktion von Lebensmitteln sowohl Arbeitsgrundlage der Tafeln als auch eine der Ursachen globaler Armut. Sie bekämpfen keinen Missstand, sondern normalisieren ihn langfristig. Und sie machen Bedürftige zu Statisten in der philanthropischen Selbstinszenierung von Besitzenden:

Im Mittelpunkt stehen nicht die Armen, sondern ihre Versorger, die Ehrenamtlichen. Die „praktisch gelebte Solidarität“ heben die Tafeln besonders in den Vordergrund. In ihrer Außendarstellung, in Broschüren, auf Fotos, in den Medien, dominieren Spender und freiwillige Helfer. Die Armen selbst sind meist nur Statisten im großen Ehrenamtsblockbuster, anonyme „Objekte der Fürsorge“, wie es der Soziologe Georg Simmel beschreibt, an denen die Besitzenden Großzügigkeit und Mildtätigkeit demonstrieren können.
Die Tafeln und ihre »Objekte der Fürsorge«

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