Kanäle
Jetzt personalisiertes
Audiomagazin abonnieren
Log-in registrieren
forum verwendet Cookies und andere Analysewerkzeuge um den Dienst bereitzustellen und um dein Website-Erlebnis zu verbessern.

handverlesenswert

Kluge Köpfe filtern für dich relevante Beiträge aus dem Netz.
Entdecke handverlesene Artikel, Videos und Audios zu deinen Themen.

Du befindest dich im Kanal:

Pop und Kultur

Wie Yoga zum Mainstream wurde – und dabei seine Werte preisgab

Oskar Piegsa
Redakteur DIE ZEIT
Zum User-Profil
Oskar PiegsaSamstag, 27.03.2021

Es ist noch gar nicht so lange her, da war Yoga in den USA eine Betätigung eher randständiger Gestalten. Hippies, Sinnsuchende und Anhänger*innen der Gegenkultur entdeckten die Praxis für sich, die sie als eine dezidiert spirituelle verstanden, als Teil fernöstlicher Denktraditionen und Lebensformen und als eine Alternative zum westlichen Materialismus. Das war in den späten 1970er-, frühen 1980er-Jahren.

Heute ist Yoga ein Multimillionenmarkt, eine Sache der Konzerne, der von ihnen gekauften Fitness-Influencers und der eifrigen Angestellten, die ihnen folgen. Yoga ist ausdrücklich ein Sport – fast niemand sagt heute noch entschuldigend, er mache Yoga, »aber ohne den Esokram«, wie man das vor 10, 15 Jahren noch gelegentlich hörte, denn der »Esokram« ist vom öffentlichen Image Yogas sauber abgeschliffen worden.

Pointiert gesagt ist aus einer Praxis der antikapitalistischen Lebensführung eine Leibesertüchtigung für den Kapitalismus geworden.

Die Sozialwissenschaftler*innen Kamal Munir, Shazad Ansari und Deborah Brown haben diese Entwicklung im hier gepiqden Aufsatz (open access) nachgezeichnet, der im Kern auf einer gründlichen Lektüre des »Yoga Journal« basiert, einer amerikanischen Yoga-Zeitschrift, die seit 1975 erscheint.

Wem das zu viel Text ist (und, ja, man hätte diesen faszinierenden Aufsatz auch etwas pointierter schreiben können), der hat vielleicht Spaß daran, sich allein die Cover des Magazins aus den 1970ern und 2000ern anzusehen, die diese Entwicklung sichtbar machen: Die Coverstars wandelten sich von alten, weltabgewandten Männern in weiten Gewändern zu jungen, attraktiven Frauen in engen Yoga-Pants. (Diese Ästhetik ist natürlich nicht überraschend für Menschen mit Instagram-Account oder Fitnessclub-Mitgliedschaft, aber wo sie herkommt und wie schnell sie sich veränderte, ist doch einigermaßen erstaunlich).

Ist die Geschichte von Yoga im Westen eine Geschichte über die Entdeckung und Ausbeutung einer Subkultur durch die Konzerne, einer rabiaten Umwertung und Dienstbarmachung (so wird ja oft über andere Phänomene der Alternativbewegung gesprochen, auch über Rock'n'Roll, Punk oder Hip-Hop)? Womöglich gar die einer Kolonisierung?

Oder ist diese Geschichte ein neuer Ausweis der Dynamik und Anpassungsbereitschaft der Marktwirtschaft, die sich ihre Kritiker*innen weniger einverleibt, als ihnen und ihren Bedürfnissen nachzugeben und dadurch besser zu werden für die Menschen?

Es ist jedenfalls eine bemerkenswerte Geschichte. (Entdeckt habe ich die Studie in der Financial Times, via Danilo Scholz. 🙏)

Wie Yoga zum Mainstream wurde – und dabei seine Werte preisgab

Möchtest du kommentieren? Dann werde jetzt kostenlos Mitglied!

Kommentare 1
  1. Jan Paersch
    Jan Paersch · vor mehr als 3 Jahre

    Hmm, ich bin schon nach drei Sätzen des abstracts ausgestiegen. Wer sagte noch, dass US-amerikanische Wissenschaft lesbarer als deutsche sei? Aber die Cover sind wirklich gut.
    "Yoga for a perky butt " kann man sich in der Tat im Jahr 1979 nicht vorstellen.

Bleib immer informiert! Hier gibt's den Kanal Pop und Kultur als Newsletter.

Abonnieren

Deine Hörempfehlungen
direkt aufs Handy!

Einfach die Hörempfehlungen unserer Kurator'innen als Feed in deinem Podcatcher abonnieren. Fertig ist das Ohrenglück!

Öffne deinen Podcast Feed in AntennaPod:

Wenn alles geklappt hat,
kannst du das Fenster schließen.

Öffne deinen Podcast Feed in Apple Podcasts:

Wenn alles geklappt hat,
kannst du das Fenster schließen.

Öffne deinen Podcast Feed in Downcast:

Wenn alles geklappt hat,
kannst du das Fenster schließen.

Öffne deinen Podcast Feed in Instacast:

Wenn alles geklappt hat,
kannst du das Fenster schließen.

Öffne deinen Podcast Feed in Apple Podcasts:

Wenn alles geklappt hat,
kannst du das Fenster schließen.

Öffne deinen Podcast Feed in Podgrasp:

Wenn alles geklappt hat,
kannst du das Fenster schließen.

Bitte kopiere die URL und füge sie in deine
Podcast- oder RSS-APP ein.

Wenn du fertig bist,
kannst du das Fenster schließen.

Link wurde in die Zwischenablage kopiert.

Öffne deinen Podcast Feed in gpodder.net:

Wenn alles geklappt hat,
kannst du das Fenster schließen.

Öffne deinen Podcast Feed in Pocket Casts:

Wenn alles geklappt hat,
kannst du das Fenster schließen.