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Pop und Kultur

Your Friday's Song: Paul McCartneys Lyrics

christina mohr
Freie Autorin

Geboren in Frankfurt, heute wieder dort lebend und arbeitend - hauptberuflich für einen Sachbuch- und Wissenschaftsverlag, daneben als freie Autorin für Magazine wie Spex, Missy Magazine, Konkret, Die Anschläge, kaput-magazine.com, melodiva.de, culturmag.de.

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christina mohrFreitag, 12.11.2021

Aktuell befinden sich gleich zwei Bücher von Rockmusikern in den Top Ten der Spiegel-Bestsellerliste: "Der Storyteller" von David Grohl und das Mammutwerk "Lyrics", Paul McCartneys gesammelte und kommentierte Songtexte (ins Deutsche übertragen von Conny Lösch). An dieser Stelle soll kein Streit über die Frage angezettelt werden, wer von beiden der bessere Songschreiber respektive Storyteller ist. Vielmehr soll eine Lanze fürs genaue Hinhören oder, in diesem Fall, Lesen von Pop-Lyrics gebrochen werden – am Beispiel Paul McCartneys ;-)

Als ich in die Oberstufe ging, spielte uns der betagte Lehrer im Englisch-Leistungskurs regelmäßig eine Radiosendung namens "Your Friday's Song" vor, in der die Lyrics eines Popsongs erklärt und interpretiert wurden. Selbstredend ging es hauptsächlich um Klassiker des Genres wie "Atlantis" von Donovan oder "American Pie" von Don McLean – und natürlich Songs der Beatles. Was wir damals mit ein bisschen Hilfe von "Your Friday's Song" über "Eleanor Rigby" herausgefunden haben, weiß ich nicht mehr (es waren die Achtzigerjahre, das ist lange her). Aber zum Glück kann sich Mr. Paul McCartney himself noch sehr gut an die Begebenheiten erinnern, die ihn zum Schreiben dieses und vieler anderer Beatles-Songs inspiriert haben. In besagtem Spiegel-Bestseller finden sich Essays von McCartney, natürlich auch zu "Eleanor Rigby". Der New Yorker veröffentlichte den Text, in dem McCartney beispielsweise beschreibt, wie er Eleanors Namen fand:

It’s like the story of the name Eleanor Rigby on a marker in the graveyard at St. Peter’s Church in Woolton, which John and I certainly wandered around, endlessly talking about our future. I don’t remember seeing the grave there, but I suppose I might have registered it subliminally.

Etwas Bandgeschichte(n) liefert Macca außerdem:

I'd just turned fifteen at this point and John was sixteen, and Ivan knew we were both obsessed with rock and roll, so he took me over to introduce us. One thing led to another—typical teen-age boys posturing and the like—and I ended up showing off a little by playing Eddie Cochran’s “Twenty Flight Rock” on the guitar. I think I played Gene Vincent’s “Be-Bop-a-Lula” and a few Little Richard songs, too.

A week or so later, I was out on my bike and bumped into Pete Shotton, who was the Quarry Men’s washboard player—a very important instrument in a skiffle band. He and I got talking, and he told me that John thought I should join them. That was a very John thing to do—have someone else ask me so he wouldn’t lose face if I said no. John often had his guard up, but that was one of the great balances between us. He could be quite caustic and witty, but once you got to know him he had this lovely warm character. I was more the opposite: pretty easygoing and friendly, but I could be tough when needed.

Und fanden wir als Fast-Abiturient:innen "Eleanor Rigby" nicht ein bisschen gruselig? Gut möglich, denn das war voll beabsichtigt:

In George’s version of things, he conflates my idea of the stabs and his own inspiration by Bernard Herrmann, who had written the music for the movie “Psycho.” George wanted to bring some of that drama into the arrangement. And, of course, there’s some kind of madcap connection between Eleanor Rigby, an elderly woman left high and dry, and the mummified mother in “Psycho.”

Kurzum: schön, dass Verlage den literarischen Wert von Popsong-Lyrics und den Geschichten drumherum erkennen. Und mit der Fülle an McCartney-Kompositionen und seinen Essays ließe sich glatt ein Revival der längst eingestellten "Your Friday's Song"-Reihe einläuten.

Your Friday's Song: Paul McCartneys Lyrics

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