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Warum Hirnforscher Spitzer Kritik nicht mag

Nicola Kuhrt
Medizinjournalistin
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Nicola KuhrtSonntag, 06.05.2018

"Meiden Sie digitale Medien. Sie machen (...) tatsächlich dick, dumm, aggressiv, einsam, krank und unglücklich." Dies sei ein typischer Satz, aus einem Buch von Manfred Spitzer, allesamt Bestseller, schreibt Journalist Jan Stremmel. Die Titel der Werke, "Vorsicht Bildschirm!", "Digitale Demenz" oder "Cyberkrank!" sind unter Experten umstritten, bei Lesern aber sehr beliebt.

Jan Stremmel wollte wissen, was Spitzer, Chefarzt einer kleinen psychiatrischen Uniklinik in Ulm, so erfolgreich macht. „Woher stammt Spitzers Gespür für die Ängste der Deutschen?“ Und Stremmel fragte sich, wer der Mann ist, der „mit Sorgenfalten auf der Stirn durch die deutschen Talkshows tourt, den andere, sonst um Sachlichkeit bemühte Professoren als "Sarrazin der Computerkritik" bezeichnen?“

Stremmel hat Spitzer also begleitet, zu Lesungen in schwäbische Buchhandlungen genauso wie auf sehr große Bühnen, wo Spitzer etwa der Stargast eines Marketing-Kongresses war. Stremmel hat sich die von Spitzer zitierte Studien genau angesehen und mit Forschern gesprochen, die dessen Thesen untersucht haben. Es zeigte sich, dass das Hauptproblem ist, dass dieser Korrelation leider gern kausal interpretiert.

Aber:

Spitzers Thesen sind wissenschaftlich mindestens umstritten, oft interpretiert er Zahlen einfach so, wie es ihm passt. Aber die Warnung vor dem digitalen Weltuntergang holt sein Publikum genau da ab, wo es steht: ratlos und etwas verängstigt vor einer Entwicklung, die es nicht mehr ganz begreift. Ein großer Teil von Spitzers Erfolg erklärt sich also schlicht so: Ihm zu glauben ist leichter, als ihm nicht zu glauben.

Reporter Stremmel hat Spitzer mit seiner Kritik konfrontiert. Es kam zu einem Wutausbruch in einer Teeküche, danach gab es keine weiteren Treffen mehr. Der Reporter konnte den Hirnforscher nur noch begleiten, ohne eingeladen zu sein. Entstanden ist ein absolut lesenswertes Porträt. 

Warum Hirnforscher Spitzer Kritik nicht mag

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Kommentare 1
  1. Petra Thorbrietz
    Petra Thorbrietz · vor 6 Jahren

    Sehr, sehr, sehr richtig!

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