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Hypnose: Doch kein Quatsch?

Theresa Bäuerlein
Journalistin. Autorin. Seit (gefühlt) schon immer.
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Theresa BäuerleinDonnerstag, 30.11.2023

Bei allen, die sich mit Hypnose auskennen, entschuldige ich mich jetzt schon für diese Überschrift. Aber es ist doch so: Die meisten Menschen verbinden Hypnose mit, wie es in diesem Text steht, 

[...] dem Ruf, eine Quacksalberei zu sein. Sie wird in der Popkultur und in Bühnenshows regelmäßig als ein Instrument dargestellt, mit dem man Kontrolle über die Teilnehmende ausüben kann – ob sie wollen oder nicht. Und einige Therapeuten setzen sie wirklich für Behandlungen ein, die erwiesenermaßen wirkungslos sind.

Hypnose als Teil einer Therapie – Hypnotherapie nennt man das – könnte jedoch ein legitimes medizinisches Hilfsmittel sein. Hypnosepraktizierende glauben – und es gibt einige Forschungsergebnisse, die dies belegen – dass diese Technik die Wirksamkeit etablierter psychologischer Interventionen verstärken kann, wie etwa CBT (kognitive Verhaltenstherapie).


Als Mittel zur Schmerzbehandlung hat Hypnose eine lange Geschichte. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als Anästhetika noch nicht weit verbreitet waren, hypnotisierten einige Chirurgen ihre Patienten. In diesem Artikel geht es vor allem um das Potenzial von Hypnose bei der Behandlung von Reizdarmsyndromen.

Die erste randomisierte kontrollierte Studie über Hypnotherapie bei Reizdarmsyndrom wurde 1984 veröffentlicht. Bei den Teilnehmern – einer kleinen Gruppe von meist weiblichen Patienten mit schwerer, behandlungsresistenter Erkrankung –zeigten sich bei denjenigen, die eine Hypnotherapie erhielten, größere Verbesserungen bei Bauchschmerzen, Blähungen und Darmfunktion als bei denjenigen, die eine Psychotherapie plus ein Placebo-Medikament erhielten. Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2014 ergab, dass etwa die Hälfte der Patienten mit Reizdarmsyndrom, die eine Hypnotherapie versuchen, zumindest kurzfristige Verbesserungen ihrer Symptome feststellen.
Gute klinische Daten sind nur schwer zu bekommen. Jedoch: 
Am wichtigsten ist vielleicht, dass eine Vielzahl von Forschungsergebnissen einen engen Zusammenhang zwischen Kognition und Verdauung belegt. Millionen von Neuronen, die gemeinsam als enterisches Nervensystem bekannt sind, regulieren unsere Verdauung und stehen in ständiger Kommunikation mit dem zentralen Nervensystem. Diese Verbindung, die als „Gehirn-Darm-Achse“ bezeichnet wird, könnte der Grund dafür sein, dass wir so viele Emotionen in unserem Darm spüren, sei es das Kribbeln der Angst oder die Anspannung der Wut. Sie könnte auch erklären, warum sowohl Angstzustände als auch Depressionen bei Patienten mit CED im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung häufiger auftreten. „Stress spielt eindeutig eine große Rolle bei jeder Verdauungserkrankung“, sagte mir Gary Lichtenstein, Professor für Gastroenterologie und Leiter des Zentrums für entzündliche Darmerkrankungen am Krankenhaus der Universität von Pennsylvania [...] 

In vielen Fällen von Reizdarmsyndrom und chronisch entzündlichen Darmerkrankungen „wissen wir, dass es eine Verbindung zwischen Geist und Darm gibt, die nur von einem Experten für mentale Gesundheit unterstützt werden kann“, sagt Mark Mattar, Gastroenterologe und Leiter des IBD-Zentrums am MedStar Georgetown University Hospital.

Hier also kann Hypnose ins Spiel kommen. Viele Patienten befürchten anfangs, dass sie während der Behandlung die Kontrolle über ihren Geist und ihren Körper an den Hypnotherapeuten abgeben. Aber der Ablauf einer Behandlung ist nicht wie bei einer Bühnenshow. Das Ziel ist, Patienten zu helfen, in einen Trancezustand zu gelangen. Das ist dieselbe Art von Bewusstsein, die wir alle erleben, wenn wir bei der Arbeit, beim Scrollen auf Instagram oder beim Autofahren das Zeitgefühl verlieren und plötzlich an unserem Ziel ankommen.

 Wenn wir in Trance sind, haben wir diese intensive, fokussierte Konzentration, und das kann auf wirkungsvolle Weise genutzt werden.

Sobald sich der Patient in einem Trancezustand befindet, setzen die Therapeuten geführte Bilder und Suggestionen ein, um bestimmte Magen-Darm-Symptome zu behandeln.

 „Die Menschen geraten in einen sehr entspannten Zustand, und in diesem Zustand beginne ich, Vorschläge zu machen, wie Gehirn und Darm besser zusammenarbeiten können“, erklärte mir Jessica Gerson, Psychologin am NYU Langone's Inflammatory Bowel Disease Center. Gerson weist ihre IBD-Patienten an, sich die Heilung ihrer Darmschleimhaut vorzustellen. 

Das scheint zu funktionieren. In jedem Fall ist es, so der Text, weitgehend risikofrei, solange sie von einem medizinischen Experten durchgeführt wird, die Patienten weiterhin von ihren Ärzten überwacht werden und die Therapeuten potenzielle Patienten auf schwere psychische Erkrankungen und unbehandelte Traumata überprüfen. 

Bleibt die Frage, wer sich eine Hypnotherapie leisten kann. Nur in Ausnahmefällen werden die Kosten von der Versicherung übernommen.

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Kommentare 5
  1. Gabriele Feile
    Gabriele Feile · vor 7 Monaten

    Auch ich kann das bestätigen. Habe mehrere psychisch-seelische Themen mit Hypnotherapie erfolgreich lösen können.

    1. Theresa Bäuerlein
      Theresa Bäuerlein · vor 6 Monaten

      Ist ja faszinierend! Man muss es aber immer selbst zahlen, oder?

    2. Gabriele Feile
      Gabriele Feile · vor 6 Monaten

      @Theresa Bäuerlein Ja, das geht immer privat, soweit ich weiß.

  2. Marcus von Jordan
    Marcus von Jordan · vor 7 Monaten

    Beste Erfahrungen hier im psychotherapeutischen Kontext. Null Kontrollverlust dabei. Schnelle und nachhaltige Effekte. Bei mir.

    1. Theresa Bäuerlein
      Theresa Bäuerlein · vor 7 Monaten

      Wow, das ist interessant. Ich hatte ja keine Ahnung!

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